Der ganze Laden auf dem Smartphone, mit vielen Angeboten und besonderen Rabatten für Nutzer – so oder ähnlich bewerben die meisten Discounter ihre Apps. Zudem gibt es Tipps, Kochrezepte und weiterführende Infos zu den verschiedenen Warengruppen. Mit einigen Apps kann man sogar direkt im Laden bezahlen. Eine runde Sache also, die sich keiner entgehen lassen sollte? Oder ist da doch irgendwo ein Haken dran? Unser Ratgeber klärt auf.
Was ist eine Discounter-App?
Ob Aldi, Lidl, Norma, Netto oder Penny, inzwischen hält jeder große Discounter in Deutschland eine eigene App für seine Kunden bereit. Der Begriff steht als Kurzform für „Applikation“ bzw. „Applikationssoftware“ und bezeichnet grundsätzlich ein Computerprogramm, das bestimmte Aufgaben für den Benutzer ausführt. Insbesondere in Verbindung mit einem Smartphone sind Apps inzwischen den meisten Menschen ein Begriff.
Und so bieten heute alle bekannten Discounter jeweils eigene Apps an, die einfach aus dem entsprechenden App-Store im Netz für iOS oder Android auf das Smartphone heruntergeladen, installiert und aktiviert werden. Mit wenigen Klicks ist die jeweilige App dann startbereit. Download und Nutzung sind komplett kostenfrei.
Was leisten die Discounter-Apps?
Je nach Anbieter sind die Funktionsumfänge der Discounter-Apps unterschiedlich groß. Viele Funktionen sind jedoch in allen Apps enthalten. Die wichtigsten sind:
Angebote der Woche
Wer die Angebote der Woche des entsprechenden Discounters nicht mehr klassisch über die gedruckten Blätter oder über das allgemein zugängliche Internetportal einsehen möchte, hat dazu auch Gelegenheit in der App. Hier werden Angebote und auch dauerhafte Preissenkungen direkt und zumeist übersichtlich angezeigt. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass man diese auch direkt im Laden beim Einkauf auf dem Handy-Display hat.
Besondere Angebote für App-Nutzer
Über die Wochenangebote für jedermann hinaus bieten die meisten Discounter-Apps Spezialangebote, die nur Nutzer der jeweiligen App erhalten. Meist werden diese in Form von Rabatten gewährt, entweder als absoluter Preis (z. B. „50 Cent günstiger mit der App“) oder als Prozentsatz, der vom regulären Preis abgezogen wird. Dazu muss der Nutzer das entsprechende Angebot in der Regel eigenständig in der App aktivieren. Teilweise sind Wochen- und App-Angebote auch kombiniert, es gibt also auf den vergünstigten Preis nochmals einen Rabatt bei Nutzung der App.
Sammelpunkte und Gewinnspiele
Weitere Features, die viele Apps enthalten, sind Sammelpunkte und Gewinnspiele. So gibt es beispielsweise für jeden Einkauf Punkte, die auf der App gutgeschrieben werden, und die ab einer gewissen Anzahl gegen Prämien oder Vergünstigungen eingelöst werden können. Oder der Nutzer nimmt bei Kauf einzelner Produkte automatisch an einem Gewinnspiel teil. Die Gewinnspiele werden teilweise aber auch ohne einen Kauf angeboten.
Einkaufslisten erstellen
Keine Lust mehr darauf, die Einkaufswünsche auf einen Papierzettel zu schreiben? Hierfür ermöglichen viele Apps, die gewünschten Artikel aus dem Sortiment des Discounters auszuwählen und übersichtlich in einer Einkaufsliste zusammenzufassen. Vor Ort können dann die bereits in den Einkaufswagen gelegten Artikel mit einem Klick „gestrichen“ werden, sodass immer nur noch diejenigen übrig bleiben, welche bisher nicht im Wagen liegen. Für viele Menschen ist dies eine echte Erleichterung gegenüber dem klassischen Papier-Einkaufszettel.
Verfügbarkeit prüfen
Nicht immer hat jede Filiale eines Discounters den gewünschten Artikel parat. Insbesondere bei den Wochenangeboten ist die Enttäuschung vieler Kunden groß, wenn sie nicht rechtzeitig zum Einkaufen kommen und der gewünschte Artikel dann bereits vergriffen ist. Auch hier bieten viele schlaue Discounter-Apps eine Lösung: Mit ihnen lässt sich die Verfügbarkeit jedes Artikels in Echtzeit prüfen. Man weiß also im Vorfeld genau, ob sich die Fahrt zum Laden lohnt oder nicht.
Mit der App bezahlen
Ganz einfach mit dem Smartphone bezahlen, ohne Bank- oder Kreditkarte bzw. Bargeld. Auch das geht mit einigen Discounter-Apps. Hierzu muss sich der Nutzer zunächst registrieren und das gewünschte Zahlungsmittel angeben, etwa eine Kreditkarte oder das persönliche Girokonto. In der Folge hinterlegt er die nötigen persönlichen Daten, u. a. Name, Geburtsdatum und die Kontonummer, in der App. Die eigentliche Zahlung erfolgt dann in der Regel per Lastschrift bzw. Belastung der Kreditkarte. Mit der Aktivierung gibt der Kunde sein Einverständnis dazu. Um im Laden zu bezahlen, generiert die App einen QR-Code bzw. einen Strich- bzw. Zahlencode, der an der Kasse eingescannt wird.
Papierloser Kassenbon
Was steht nach der Bezahlung des Einkaufs noch an? Richtig: Normalerweise bekommt der Kunde den Kassenbon in gedruckter Version ausgehändigt. Auch das ist mit der entsprechenden App nicht mehr nötig, denn der Kassenbon wird (auf Wunsch) automatisch auf die App geschickt und dort gespeichert. Vorteil: Man kann ihn jederzeit wieder einsehen, Preise mit anderen Einkäufen vergleichen usw.
Warum machen sich Discounter die Mühe, solche Apps zu erstellen und anzubieten?
Machen wir uns nichts vor: Ein Discounter bzw. eine Discounter-Kette ist ein profitorientiertes Unternehmen, andernfalls könnte es nicht lange überleben. Also wird auch eine solche App nicht einfach nur zur Belustigung bzw. zur Komfortverbesserung der Kunden erstellt, sondern mit ganz klaren, wirtschaftlichen Zielen. Das ist im Grunde nichts Verwerfliches, man sollte einfach nur darüber Bescheid wissen.
Was sind also diese wirtschaftlichen Ziele? Kurz gesagt: Kundenbindung und Datensammlung! Beschäftigen wir uns zunächst mit dem einfacheren Punkt, der Kundenbindung: Jeder kennt sicherlich den sogenannten Gewöhnungseffekt. Ist der Umgang mit der App einmal erlernt und die Vorteile gefallen, wird man für den nächsten Einkauf mit großer Wahrscheinlichkeit wieder denselben Laden aufsuchen – weil man es so gewöhnt ist! Und genau darauf setzen die Discounter. Die Kunden sollen sich an die App und ihre Vorteile gewöhnen und somit zu treuen Anhängern der jeweiligen Kette werden. Die besonderen Angebote, welche nur App-Nutzer in Anspruch nehmen können, sind wiederrum dazu da, den Kunden an die App-Nutzung zu gewöhnen. Es wird also eine clever konstruierte Bedürfniskette ausgelöst.
Nächster Punkt: Die Datensammlung. Mit dem Herunterladen und der Nutzung der App stimmt der Nutzer auch der Sammlung und ggf. Verwertung seiner Daten zu. Ohne diese Zustimmung ist die App in der Regel nicht (oder nur sehr eingeschränkt) nutzbar. Viele Verbraucher wissen jedoch gar nicht, dass ihre persönlichen Daten zum Wertvollsten gehören, das in der Wirtschaft gehandelt wird. Und damit sind nicht vordergründig Daten wie Name, Anschrift oder E-Mail-Adresse gemeint, sondern etwa Daten zum Einkaufsverhalten. Doch was sollte ein Unternehmen mit dem Wissen über meinen typischen Einkauf anfangen? Das lässt sich ganz einfach an einem Beispiel erklären: Nehmen wir an, aus den Auswertungen des Einkaufsverhaltens ergibt sich, dass eine Kundin bzw. ein Kunde plötzlich Windeln kauft, die zuvor noch nie gekauft wurden. In diesem Fall liegt die Annahme nahe, dass der bzw. die Kunden kürzlich Eltern geworden sind. Also werden sie bestimmt auch Interesse an Babynahrung, Socken, Stramplern, Wundschutzcreme und vielleicht sogar Energydrinks haben – schließlich fallen die Nächte für frischgebackene Eltern meist recht kurz aus!
Und genau solche (und wahrscheinlich einige weitere) Artikel wird der Discounter diesen Kunden nun anbieten, vielleicht sogar zum vergünstigten Preis. Doch nicht nur das: Auch im großen Stil helfen die Informationen zum individuellen Einkaufsverhalten der Kunden dem Discounter, sein Sortiment und seine Werbung zu optimieren. Vielleicht wird herausgefunden, dass bestimmte Lebensmittel oder sonstige Dinge des Alltags in einer bestimmten Region stärker nachgefragt werden. Also baut man das Sortiment genau dort entsprechend aus. Oder es wird deutlich, dass in bestimmten Märkten vorwiegend ältere Menschen einkaufen. Auch hier kann man das Sortiment dann speziell darauf abstimmen.
Die persönlichen Daten sind also der „Preis“, den der Kunde für die App-Nutzung sinnbildlich bezahlt. Während dies manchen Verbrauchern nicht geheuer ist und sie eine solche Praxis daher eher ablehnen, erfreuen sich andere sogar daran. Schließlich garantiert die App-Nutzung, dass die Angebote der Discounter in Zukunft bestmöglich auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten sind.