Demographischer Wandel: Studium und Beruf

Studium und Beruf im demografischen Wandel
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Deutschland erlebt seit den 1960er Jahren eine stete Verschiebung beim zahlenmäßigen Verhältnis der Altersgruppen in Richtung Alterung der Bevölkerung. Lag die Geburtenzahl im „Baby-Boomer-Jahr“ 1963 in der BRD noch bei 13,3 Geburten je 1000 Einwohner (1901: 35,7) sank sie 1979 auf 9,4 („Pillenknick“). Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Studiensituation und Berufsperspektiven der jüngeren Generation.

Die Situation

2013 kamen auf 1000 Einwohner nur noch 8,3 Geburten: Das ist im Weltvergleich der letzte Platz (Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau). Zwar nahmen die Geburten 2014 um knapp fünf Prozent zu und die Demographen sagen für das nächste Halbjahrzehnt weiter leichte Anstiege bis auf 1,6 Geburten pro Frau voraus, doch wird die Geburtenzahl ab 2020 wegen der erheblichen Schrumpfung des Anteils gebärfähiger Frauen an der Gesamtbevölkerung dramatisch einbrechen.
Nicht vorhersehbar ist, ob dieser Trend durch Zuwanderung gestoppt werden wird. Gleichzeitig mit der Abnahme der Geburten verbesserte sich die Lebenserwartung auf fast 80 Jahre (2010) und damit verbunden auch der prozentuale Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung. 2014 waren von den 81 Millionen Einwohnern in Deutschland knapp 18 % jünger als 20 Jahre, 21 % waren älter als 65 Jahre alt. Nach Berechnungen der Bundesregierung wird der Anteil der Über-65-Jährigen bei insgesamt schrumpfender Bevölkerung bis 2060 auf 35 % steigen.

Konsequenzen für Beruf & Studium

Der sich als massive Alterung der Gesellschaft darstellende demographische Wandel wird nicht zuletzt wegen des Mangels an nachwachsenden Arbeitskräften erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung wird aller Voraussicht nach von etwa 40 % (2015) auf 30 % (2060) schrumpfen. Damit verbunden ist möglicherweise eine Abnahme der Steuereinnahmen und damit verbunden eine Reduzierung der Möglichkeiten, durch staatliche Investitionen und Subventionen wirtschaftsfördernd zu wirken. Auch stellt die steigende Zahl von Rentenberechtigten die Altersversorgungssysteme vor große Herausforderungen.
Dabei ist zu beachten, dass dieser Effekt durch die steigende Zahl an akademisch Gebildeten und damit potenziell Besserverdienenden zumindest teilweise abgemildert wird. Waren 1965 ungefähr 250.000 und 1980 etwa eine Million Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben, waren es 2002 knapp zwei Millionen und 2014 bereits 2,7 Millionen. Wegen des demographischen Wandels könnte die Studierendenzahl allerdings bis 2025 wieder unter eine Million sinken.
Die für den Bereich der Finanz- und Gütermärkte kaum bedeutende Altersentwicklung wird im Dienstleistungsbereich und in der Konsumwirtschaft wegen der speziellen Bedürfnisse der Senioren zu wesentlichen Veränderungen führen. Von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung ist, ob Altersversorgung und zur Verfügung stehende Senioren-Generations-Vermögen langfristig ausreichend sind, die Nachfrage an Konsumgütern und Dienstleistungen in einem das Wirtschaftswachstum sichernden Umfang mitzufinanzieren.

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