Deutscher Kongress für Geographie – wann wieder in NRW?

Was ist Geografie?

Die Geografie befasst sich mit der physischen als auch durch den Menschen verursachte Beschaffenheit und Aufteilung der Erde. Dies spiegelt sich in der Hauptaufteilung in die physische Geografie und die Humangeografie wider. Sie beinhaltet somit geistes- als auch naturwissenschaftliche Elemente. Geografen erfassen, beschreiben und erklären die in der Geosphäre – also dem System Erde – auftretenden Strukturen, Prozesse und Wechselwirkungen.
In ihrer jüngsten Wirkungsgeschichte beschäftigt sich die Geografie – erzwungenermaßen – zunehmend mit der Auswirkung des Menschen auf das Gesamtsystem Erde. Diese gewinnt vor allem im Kontext des weltweit prognostizierten Wachstums der Weltbevölkerung auf bis zu 9 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 deutlich an Bedeutung.

Geografie in Deutschland – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Akademische Knotenpunkte der Geografie sind in den Städten Heidelberg, Tübingen, Passau, Berlin, Kiel, München, Bayreuth, Frankfurt, Hamburg und Kassel angesiedelt. Die Geografie wird jedoch an nahezu allen deutschen Universitäten angeboten.

Bereits 1865 initiierten Otto Volger und August Petermann den ersten Kongress in Frankfurt am Main. Dieser wird seit 1951 in zweijähriger Frequenz in einer deutschsprachigen Universitätsstadt ausgetragen. Im Zuge der räumlichen Trennung des heutigen Deutschlands – durch den Ausgang des Zweiten Weltkrieges – wurden von 1975 bis 1989 separate Veranstaltungen in den beiden Staaten durchgeführt.

Der 62. Deutsche Kongress für Geografie wird im Herbst 2023 in Frankfurt am Main stattfinden. Doch nicht immer hieß er so. Bis 2013 war die Veranstaltung als „Deutscher Geografentag“ bekannt, welche 2015 in Berlin zugunsten der geschlechterneutralen Bezeichnung „Deutscher Kongress für Geografie“ geändert wurde.

Themen und Inhalte im Wandel

Bei der Themenauswahl – vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten – lässt sich zunehmend ein roter Faden erkennen. Der Einfluss des Menschen auf das System Erde rückt oft und schwerwiegend in den Vordergrund. Dies spiegelt sich in den Inhalten der Kongresse wider, welche wiederum die leitenden Themen in den Universitäten, Schulen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen zusammenfassen – und in Wechselwirkung neu ausrichten.

So wurden die Kongresse um die Jahrtausendwende noch unter klassischen Leitthemen wie „Alpenwelt – Gebirgswelten. Inseln, Brücken, Grenzen.“ (2003 in Bern) und „Stadt und Region – Dynamik von Lebenswelten“ (2001 in Leipzig) abgehalten.
Bereits im folgenden Kongress 2005 in Trier wurde unter dem Motto „GrenzWerte“ generell über Grenzen von Ressourcen und der Bedeutung dieser Erkenntnis für Nachhaltigkeit und Globalisierung – welche seit der Kommerzialisierung des Internets 1999 exponentiell wächst – diskutiert, verglichen und informiert.

Diese Themenfokussierung auf potenziell risikoreiche Szenarien lässt die besondere Bedeutung eines Diskussionforums wie diesem erkennen. Wissenschaft erkennt in Konsens eine Tendenz anhand von Fakten an und steht in Verantwortung, diese Erkenntnisse in die öffentliche Wahrnehmung zu übersetzen und somit politisches Handeln anzustoßen.
Die Geografie ist in besonderer Verantwortung. Ihre weitreichende Interdisziplinarität schafft Klarheit über globale Zusammenhänge. Diese Klarheit ist Faktor für die starke Fokussierung der Kongressthemen.

Öffentliche Wirksamkeit und Selbstverständnis

Der Kongress gliedert sich in geschlossene und öffentliche Veranstaltungen. In stark thematischen Auseinandersetzungen werden so breit zugängliche Informationen erarbeitet, welche dann in den öffentlichen und medial ausgerichteten Veranstaltungen präsentiert werden. Publikationen und Keynotes der vergangenen Kongresse sind meist auf noch bestehenden Webseiten oder in Buchhandlungen verfügbar und stellen die praktische Bedeutung eines solchen Kongresses dar.

In den letzten beiden Episoden des Kongresses widmeten sich die Geografinnen und Geografen Zukunftsfragen. Fragen, welche sich vor allem durch die Erkenntnisse der vorherigen Episoden immer stärker gestellt hatten.
2017 diskutierten über 1500 Teilnehmende in Tübingen über Migration, demografischen Wandel und Urbanisierung. Und den Einfluss dieser humangeografischen Prozesse auf die physische Umwelt, deren begrenzten Ressourcen und das sich verändernde Klima.

2019 wurden diese Gedanken in Kiel weitergeführt – konkreter und im Bezug auf das „Selbstverständnis als Geografinnen und Geografen“, aber auch deutlicher auf die Zukunft fokussiert. Die Fortentwicklung des Faches – „über alle Dimensionen geografischen Wirkens hinweg – wissenschaftlich-forschende, universitär-lehrende, gesellschaftlich-aktivistische, angewandt-berufliche und schulische Praxis“ ist Kernthema. Es wird aktiv aufgerufen, diese Dimensionen durch individuelles Engagement weiterzuentwickeln.

Ein Ausblick

Für den verschobenen Kongress 2021, welcher voraussichtlich im Herbst 2023 in Frankfurt am Main stattfinden wird, wurde die digitale „GeoWoche2021“ angeboten. Im Grußwort des Präsidenten der „Deutschen Gesellschaft für Geografie“, Werner Gamerith wird klar: Globale Krisen definieren das 21. Jahrhundert und übersetzen sich zunehmend in regelmäßige lokale Katastrophen. Der „Thementag Klimakrise“ ist die zentrale Veranstaltung und spielt sich parallel zu einer der schlimmsten Flutkatastrophen in Deutschland ab. In seinem Zitat „[…] die Pandemie als begleitendes Grundrauschen in einer meteorologischen Ausnahmesituation, die zur klimatischen Regel zu werden droht. […]“ stellt er die bestimmenden Themen der heutigen Zeit und damit der „GeoWochen2021“ fest: Die Covid-19-Pandemie und der menschengemachte Klimawandel. Auch hier wird die enorme Verantwortung der Geografie und deren wissenschaftliche Befunde und Lösungsansätze für Gesellschaft und Politik deutlich.

Das Thema für den kommenden „Deutschen Kongress für Geografie“ ist noch nicht öffentlich. Der Trend wird sich jedoch sehr wahrscheinlich fortsetzen. Denn der menschliche Einfluss auf die Welt wird weiterhin und drastisch zunehmen und dadurch auch resultierende Konflikte und Probleme. Diese müssen hauptsächlich in globalen Zusammenhängen betrachtet werden. Dafür eignet sich die stark interdisziplinäre ausgerichtete Wissenschaft der Geografie sehr gut.

In den letzten 20 Jahren fand der Kongress in folgenden Städten statt:

– 2003: Bern („Alpenwelt – Gebirgswelten. Inseln, Brücken, Grenzen.“)
– 2005: Trier („GrenzWerte“)
– 2007: Bayreuth („Umgang mit Risiken. Katastrophen-Destabilisierung- Sicherheit“)
– 2009: Wien („Geographie für eine Welt im Wandel“)
– 2011: Der „International Geographical Congress“ (IGC) 2012 (unter dem Motto „Down to Earth“) in Köln war gleichzeitiger Austragungsort des wegen dieser Veranstaltung entfallenden Geographentages 2011
– 2013: Passau („VerANTWORTen“)
– 2015: Berlin („Stadt Land Schaf(f)t – Land Schaf(f)t Stadt“)
– 2017: Tübingen („Eine Welt in Bewegung. Erforschen – verstehen – gestalten“)
– 2019: Kiel („Umbrüche und Aufbrüche – Geographie(n) der Zukunft“)

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