Bochumer Geschichte

Bochum blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Vom Jahr 1321 – dem Entstehungsjahr der heutigen Stadt – bis zur Gegenwart ist viel passiert, über das es sich zu berichten lohnt.

Bochum im Mittelalter

Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde Bochum im Heberegister eines Klosters und zwar um das Jahr 900. In dem betreffenden Dokument kommen die Namen einige Stadtteile vor, die es heute noch gibt.

Im Anschluss an das Jahr 1000 sind in Bochum zwei wichtige Kirchen entstanden. Es handelt sich um die offiziellen Vorgänger der heute noch bestehenden Gotteshäuser. Um 1240 kam es zu einem Friedensvertrag zwischen zwei bedeutenden Grafschaften. In der Folge wurde Bochum offiziell „märkisch“.

Im Spätmittelalter erging es den Adligen schlecht, die in Bochum in großer Zahl lebten. Die Höfe wurden im Verlauf der sogenannten Großen Dortmunder Fehde geplündert.

Rund hundert Jahre später eröffnete eine Institution, welche über die Grenzen der Stadt bekannt war: das Gasthaus zu Bochum. Es handelte sich um eine spezielle Stiftung, die für arme Menschen und Personen mit ernsten Erkrankungen gedacht war.

Die frühe Neuzeit und die Preußische Ära in Bochum

Früher war Bochum weder sehr groß noch dicht besiedelt oder von relevanter politischer Bedeutung. Das änderte sich, nachdem große Teile der Stadt nach mehreren großen Bränden und Seuchen in der frühen Neuzeit umgestaltet wurden. Vieles wurde anschließend anders und besser gebaut.

Um 1614 befand sich Bochum im Besitz des Kurfürsten von Brandenburg. Im Dreißigjährigen Krieg war Bochum vor allem für eines gut: Hier zogen viel Truppen hindurch, die kulturell einen gewissen Einfluss nahmen.

Im Jahr 1780 – also während der preußischen Ära – wurde die Ruhr für das Durchfahren vom großen Schiffen durchführbar gemacht. In der Folge entstanden ein Kohlehafen und verschiedene Schleusen.

Bochum während der Industriellen Revolution

Im Jahr 1806 kamen die Truppen von Kaiser Napoleon nach Bochum. Sie besetzten das Gebiet bis 1805. Danach erfolgten die sogenannten Befreiungskriege, welche Napoleon die Vorherrschaft in diesem Gebiet entrissen.

Rund 70 Jahre später wurde Max Greve zum Bürgermeister gewählt. Während dieser Zeit entstanden Schulen, die Handelskammer und die heutige Bochumer Eisenhütte Heinzmann.

Im Jahr 1876 wurde der Stadtkreis gebildet, sodass die übrigen Kreise die kreisfreie Stadt umgaben. Der sogenannte Landkreis Bochum existierte danach noch bis ins Jahr 1929.

1898 erschütterte ein großes Unglück die Stadt Bochum. In der Zeche mit dem schönen Namen Carolinenglück kam es zu einer Explosion wegen des Kohlestaubs. Dabei starben 116 Bergarbeiter.

Bochum im 20. Jahrhundert (1901 bis 1930)

Im Jahr 1904 wurden die Bewohner der Stadt Bochum erneut von einem Unglück heimgesucht: Es kam zu einer großen Epidemie durch die Pocken, welche einen Teil der Bevölkerung innerhalb kurzer Zeit dahinraffte.

1904 wurde Bochum ganz offiziell zu einer Großstadt. Das geschah in der Folge einer Eingemeindung der Orte Grumme, Wiemelhausen, Hamme und Hofstede – allesamt kleine Örtchen in der direkten Umgebung. Zur Stadt gehörten zu diesem Zeitpunkt rund 117.000 Einwohner, darunter enorm viele Bergarbeiter.

Bei einer Explosion im Sommer 1912 kamen erneut Bergleute ums Leben. In der Zeche Lothringen kam es zu einer Explosion durch Schlagwetter, welche mehr als 1000 Menschen nicht überlebten.

Im Jahr 1815 florierte die Wirtschaft in und um Bochum. Unter anderem wurde zu dieser Zeit der Rohbau des größeren Kaufhauses in der Umgebung fertiggestellt: das Kaufhaus der Gebrüder Alsberg. Aufgrund des ersten Weltkriegs hatte es keinen Bestand, sondern wurde als Lager für Lebensmittel verwendet.

Vor und im Jahr 1926 wurden weitere Orte eingemeindet. Darunter waren Altenbochum, Weimar, Bergen und einige weitere. Danach zählten rund 213.000 Einwohner zur Bochum – eine sehr große Anzahl für damalige Verhältnisse. Das berühmte Deutsche Bergbaumuseum wurde im Jahr 1930 gegründet; es war weit über die Grenzen der Stadt Bochum hinaus bekannt.

Die besondere Bedeutung der Möhnetalsperre

Die Nacht zwischen dem 16. Mai und dem 17. Mai des Jahres 1943 sollte eine ganz besondere für die Stadt Bochum werden. Ein Britischer Bomber hatte die Möhnetalsperre gesprengt. Es handelte sich um eine 10 Zentner Bombe, welcher die Staumauer nicht standhalten konnte.

Die ganze Aktion nannte sich „Operation Züchtigung“ und hat sich in die Erinnerung sowie in die Geschichte des Gebiets und vielleicht sogar ganz Deutschlands eingebrannt. Damals berichtete ein Augenzeuge, dass die Flutwellen in der Folge des Bombenabwurfes mehrere Meter hoch reichten.

Es handelte sich bei der Möhnetalsperre damals um die größte Talsperre, die es in Deutschland gab. Sie gehört bis heute zu einer der größten Talsperren landesweit.

Nicht nur der Bombenangriff als solcher sollte noch lange nachwirken, weil die Talsperre zu großen Teilen zerstört war und wieder aufgebaut werden musste. Die Wassermassen rissen Menschen mit sich in den Tod. Man geht davon aus, dass mindestens 1579 Menschen in diesem Zusammenhang gestorben sind; darunter viele Kriegsgefangene.

Bochum während dem Zweiten Weltkrieg

Genau wie in vielen anderen Städten Deutschlands ist auch in Bochum die Zahl der Kriegs- und NS-Opfer nicht mehr feststellbar. Weil das Ruhrgebiet als eine Art Waffenschmiede für das Deutsche Reich angesehen wurde, gab es in und um Bochum immer wieder heftige Bombenangriffe.

Ein erster Bombenangriff erfolgte in der Nacht des 2. Junis im Jahr 1942. Damals warfen britische Flugzeuge sowohl Stabbrandbomben als auch Sprengbomben über der Stadt ab. Daraufhin folgten Bomben aus Phosphor und Kautschukbenzin Brandbomben.

Vor allem der Ortsteil Dahlhausen litt schwer unter den Großangriffen durch die britischen Kampfflugzeuge. Ein großer Teil der Bevölkerung von Bochum hatte kein Zuhause mehr, Armut und Angst regierten die Straßen.

Im März 1943 fand die sogenannte „Battle oft the Ruhr“ statt. Der Luftangriff erfolgte auf die Stadt Essen, welche damals sowohl wirtschaftlich als auch moralisch ein wichtiger Standort im Ruhrgebiet war.

Generell war das Ruhrgebiet eines der wichtigsten Ziele von Luftangriffen. Im Sommer 1944 wurden die Angriffe sogar noch häufiger und noch stärker, weil die Invasion der Normandie vorüber war.

Bochum zwischen 1950 und 1970: Sternwarte, Wirtschaftsstandort und weitere Highlights

Ein Bau, auf den die Stadt Bochum besonders stolz war, wurde im Jahr 1953 fertiggestellt, als das Schauspielhaus Bochum offiziell eröffnet wurde. Die 50er Jahre und die 60er Jahre waren in der Stadt ohnehin durch die Entstehung verschiedener wichtiger Bauten geprägt.

Dazu gehören unter anderem die Hildegard-Schule, das Graetz-Werk und der Hauptbahnhof.

Das Jahr 1957 war erneut eines, in welchem Bochum weit über die Grenzen der Stadt hinaus Bekanntheit erlangte. Heinz Kaminski schaffte es damals, die Signale eines bekannten Satelliten zu empfangen – dem Sputnik. Anlässlich dieses Vorfalls wurde die Bochumer Sternwarte gegründet.

Im Jahr 1960 bekam eine bedeutende Kunstsammlung mitten in Bochum ein neues Zuhause, und zwar in der Villa Marckhoff, die zum Museum umfunktioniert wurde.

Das heute bekannte Prinzip des „Landfillings“ wurde in Europa zum ersten Mal in der Stadt Bochum angewandt. Das geschah Anfang der 60er Jahre, als die erste Mülldeponie noch neu war.

Wirtschaftlich stieg Bochum in den 60er Jahren zu einem neuen Stern am Himmel der deutschen Industrie auf. Damals eröffnet die Adam Opel AG eine bedeutende Stätte für die Produktion in der Stadt. Kurz darauf erfolgte die Eröffnung der Ruhr-Universität, auf welche die Verantwortlichen und Bürger besonders stolz waren.

Bochum zwischen 1970 und 1980 – das Jahrzehnt des Fußballs und der Straßenbahnen

Fußball spielt schon lange eine bedeutende Rolle in der Stadt. Daher war die Freude groß, als der VFL Bochum im Sommer 1971 in die Erste Deutsche Bundesliga aufstieg und der Stadt auf diese Weise zu noch mehr Bekanntheit verhalf.

Auch abseits der Welt des Sports entwickelte sich Bochum in den 70er Jahren stetig weiter. Die letzte Zeche der Stadt wurde geschlossen, während Schulen und Bahnstrecken neu geplant sowie gebaut wurden.

Die erste Straßenbahn fuhr damals vom Hauptbahnhof aus in den gesamten Großraum Duisburg. Eine zweite Linie kam gleich hinzu; diese fuhr zwischen Hattingen und Bochum-Dahlhausen sowie Oberhausen. Die Bürger der Stadt waren und jetzt viel mobiler und konnten unter besseren Bedingungen innerhalb sowie außerhalb der Stadt in allen möglichen Branchen arbeiten.

Wattenscheid und Bochum wurden im Jahr 1975 zusammengelegt, sodass das gesamte Gebiet im Anschluss rund 430.000 Einwohner beheimatete.

Ab Mitte der 70er Jahre verfügte Bochum über eine eigens Museum für Eisenbahnen und ein Klärwerk im Oelbachtal.

1979 wurde zur großen Freude aller Fußballfans aus Bochum und den umliegenden Gebieten ein eigenes Fußballstadion eröffnet: das Ruhrstadion.

Die 90er und 2000er in Bochum: die Ära von Musik und Kultur in Bochum

Im Jahr 1986 fand zum ersten Mal das Festival „Bochum Total“ statt, das heute noch in ganz Deutschland bei Musikfans bekannt ist. Das Festival findet jedes Jahr statt und beherbergt während dieser Zeit bedeutenden Musiker sowie viele Gäste aus Deutschland und Europa. Es startet jeweils kurz vor den Sommerferien des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Ende der 80er gab es eine neue Linie für die Stadtbahn in Bochum. Die Linie U35 fährt seitdem vom Hauptbahnhof direkt nach Herne.

1990 wurde die „Situation Kunst“ zu Ende gebracht. Es handelt sich um ein Museum für Kunst, das sich im Park von Haus Weimar befindet. Das Museum besteht bis heute.

1993 kam es erneut zu einer weitgreifenden Veränderung: Neben Bochum gehörten die Störte Herne, Hattingen und Witten ab sofort zu Region Mittleres Ruhrgebiet.

Bochum zwischen 2000 und heute: Opel-Streik, Dalai Lama und Autobahndreieck

Das Jahr 2004 stand ganz im Zeichen der Adam Opel AG, die ein bedeutender Arbeitgeber in Bochum war und ist. Damals sollten viele Stellen abgebaut werden, was Angestellte und Verbündete zum Streiken animierte. Vor dem Schauspielhaus trafen sich damals rund 25.000 Menschen, um gegen die Pläne zu streiken. Jenes Ereignis wurde in den Medien stark diskutiert und deutschlandweit mitversorgt.

Im Jahr 2007 kam der Dalai Lama nach Bochum und ein Jahr später wurden ein Universitätsklinikum sowie die Hochschule für Gesundheit eröffnet.

Das neue große Autobahndreieck mit dem Namen „Westkreuz“ wurde im Jahr 2015 offiziell eröffnet, nachdem lange daran gebaut wurde. Für Bochum als Wirtschaft Standort hat dieses Autobahndreieck eine große Bedeutung, weil es die A 40 und die A 448 mit der Stadt verbindet.

Die „Situation Kunst“ würde im Jahr 2015 noch erweitert durch das „Museum unter Tage“. Auch die 2010er-Jahre standen im Zeichen der Musik: Das Anneliese Brost Musikforum wurde offizielle eingeweiht. Die Bochumer Symphoniker spielten im Oktober 2016 dort zum ersten Mal.

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