Geschichte des Skigebiets Sauerland

Winterberg
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Das Sauerland ist eine der traditionsreichsten Urlaubsregionen Deutschlands. Denn als „Paradies vor der Haustür“ wurde das Sauerland für viele, die sich mehr nicht leisten konnten, zum ersten deutschen Urlaubsziel. Die Geschichte des Tourismus im Sauerland ist seit jeher eng mit dem Ruhrgebiet verbunden. Gerade das heutige Sauerland wäre ohne diese Touristen aus der Region nicht dasselbe. Die Gründe dafür waren sehr pragmatischer Natur: Um 1900 kostete ein Zimmer in Vollpension im Sauerland 3,70 Mark pro Tag. Der Komfort war zwar begrenzt: nur ein Bett, ein Hocker, ein Kleiderschrank, eine Toilette auf dem Flur und kein fließendes Wasser. Für viele Arbeiter und ihre Familien aus dem Ruhrgebiet war es jedoch gut genug, weil sie so etwas wie Urlaub vorher überhaupt nicht kannten. Urlaubstage und Freizeit waren damals dünn gesät, was Fernreisen unmöglich machte. Es war aber Anfang des 20. Jahrhunderts auf einmal möglich, mit der Bahn ins Sauerland zu fahren. So etablierten diese Arbeiter und ihre Familien aus dem Ruhrpott das Sauerland als Tourismusziel. Ohne die Touristen aus der Region würde das Sauerland heute zweifelsohne anders aussehen. Für Menschen aus dem Ruhrgebiet ist ein Urlaub im Sauerland auch heute noch Ehrensache.

Pionier bei diversen touristischen Entwicklungen

Das Sauerland war damit zu einem Urlaubsziel in einer Welt geworden, die mit dem heutigen Tourismus-Verständnis noch nicht viel zu tun hatte. Zumindest auf die innerdeutsche Entwickelung bezogen, war das Sauerland in vielerlei Hinsicht der Ground Zero für diverse infrastrukturelle, touristische Entwicklungen. Zur Tourismus-Geschichte im Sauerland gehört beispielsweise auch der Bau der weltweit (!) ersten Jugendherberge, und zwar in Altena (gelegen am Rande des Sauerlandes). Im Jahr 1909 wurde der Lehrer Richard Schirrmann mit einer Gruppe Wanderer von einem starken Regen überrascht und suchte in einer alten Schule Schutz – so kam er auf die Idee einer günstigen Unterkunft für Wanderer.

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Die Talsperren sind auch heute noch ein wichtiger Teil der Tourismusbranche im Sauerland. Sie wurden ursprünglich zur Wasserversorgung des Ruhrgebiets gebaut. Doch schnell verwandelten sie sich in Naherholungsgebiete, die am Wochenende schnell zu erreichen waren. In der Nachkriegszeit gab es auch einen kleinen Anhänger: Das Modell „Eriba Puck“, heute ein Kultobjekt für Oldtimer-Fans. Auch wenn die Dimensionen geradezu lächerlich klein schienen, war der Vorteil, dass der Anhänger selbst von Kleinwagen gezogen werden konnte (und sei es nur als erweiterter Kofferraum). Dadurch verbreitete sich das Camping im Sauerland als preisgünstige Möglichkeit, Urlaub zu machen.

Sauerland – auch ein Magnet für den Wintertourismus

Auch das Hochsauerland lebt vom Tourismus. Im Winter kommen natürlich Skitouristen aus Nordrhein-Westfalen und den gesamten Niederlanden nach Winterberg und Neuastenberg. Hotels, Ferienwohnungen, Skiverleih – das Gebiet hat sich seit den 1950er Jahren völlig verändert. Damals waren die Menschen hier entweder Bauern oder arbeiteten in Fabriken. Fast jeder arbeitet heutzutage für Winterskitouristen.

Spätestens in der Hochsaison dreht sich dort ein Großteil der Arbeit um die Skipisten. Lifte und Schneekanonen erfordern Betrieb und Wartung – oft bis in die Nacht hinein, dank geeigneter Flutlichtanlagen, die natürlich auch Wartung erfordern. Die Kassen müssen besetzt sein und die Ferienwohnungen müssen in gutem Zustand gehalten werden. Der Wintertourismus bringt dem Sauerland in der entsprechenden Region erhebliche Einnahmen. Zumindest wenn das Wetter mitspielt, was angesichts zunehmend kurzer, warmer Winter jedoch immer unsicherer wird.

Geburt des modernen Wintertourismus im Sauerland

Ende des 19. Jahrhunderts war das Sauerland eine sehr malerische, aber auch überaus abgelegene Region. Kaum ein Fremder verirrte sich dorthin. Kaum jemand wusste damals überhaupt von Skiern und ihrer Funktionsweise. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke ins Sauerland im Jahr 1906 änderte sich die Situation jedoch: Einige Ingenieure waren zuvor im Schwarzwald tätig und trafen dort auf eine große Anzahl von Skitouristen. Die Geschäftsleute in Winterberg rochen eine Gelegenheit und kamen auf die Idee eines modernen Wintersports im Sauerland.

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Der erste winterliche Massentourismus im Sauerland tauchte jedoch erst in den 1960er-Jahren auf. Damals reiste man noch mit Bussen oder den speziellen Wintersportzügen der Bahn. Die ersten Skilifte wurden in den 1950er Jahren gebaut. Willi Wahle (heute bekannt als „alter Möppi“), der oft in den Alpen Ski fuhr, brachte die Idee ins Sauerland mit. Aus dem damaligen einfachen Schlepplift am Poppenberg ist längst ein großes Skigebiet geworden. Willi Wahles Sohn Klaus betreibt das Skikarussell Winterberg am Fuße des Skigebiets: genannt „Möppis Hütte“. Der Enkel von Willi Wahle, Florian Leber, wird eines Tages Familienbetrieb übernehmen.

Vor 60 Jahren hätte niemand mit dieser Entwicklung gerechnet. Von den friedlichen Dörfern des Sauerlandes bis zum Wintersportort Hotspot, der alljährlich Hunderttausende Touristen zieht. Heute bringen rund 50 Lifte Skifahrer auf den Berg. Zumindest, sofern der Schnee da ist. Dafür sorgen zur Not Dutzende Schneekanonen, ohne die der Wintersport im Sauerland in manchen Jahren nahezu unmöglich wäre. Leider reichen auch sie teilweise nicht mehr aus.

Der Klimawandel macht dem Schneesport die Hölle heiß

Mehrere Wintersportwettkämpfe in dieser Saison wurden abgesagt, darunter das traditionelle Kandahar-Rennen in Garmisch-Partenkirchen, das eigentlich sein 70-jähriges Jubiläum feiern sollte. Der Grund: Die Temperaturen waren zu hoch und es lag zu wenig Schnee. Und nicht nur dort: Wettbewerbe in ganz Europa wurden abgesagt. Einige Sportarten können weiterhin ausgeübt werden, solange sie sich auf Kunstschnee realisieren lassen. Für andere wurden und werden die unsicheren Wetterbedingungen perspektivisch zu einem chronischen Problem. Denn sobald es nur ein paar Kilometer kontinuierlich bergab gehen muss (und das bei den entsprechenden Geschwindigkeiten), ist selbst mit modernen Schneekanonen ausreichend Schnee nicht wirklich zu gewährleisten.

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Zugegeben: Winter mit wenig Schnee gab es schon immer mal wieder. Doch die Winter, die wir derzeit immer öfter erleben, werden aufgrund der zunehmenden globalen Erwärmung in Zukunft noch wahrscheinlicher. Obwohl Klimamodelle in Zukunft auch im Winter höhere Niederschläge vorhersagen, äußern diese sich immer öfter als Regen und nicht als Schneefall. Laut einer Studie eines österreichischen und kanadischen Forscherteams werden bis 2050 nur vier bis neun der 21 Austragungsorte der Olympischen Winterspiele seither bzw. bis dahin für die Austragung folgender Olympischer Winterspiele geeignet sein – abhängig von der Menge an Emissionen, die in die Atmosphäre gelangen. Garmisch-Partenkirchen wurde in dieser Studie als der am wenigsten sichere Ort eingestuft. Im Sauerland dürfte es nicht viel besser aussehen.